Luftpistole Auflage: Der richtige Ablauf für jeden Schuss

Luftpistolenschütze im Anschlag mit Fokus auf Bewegung, Atmung, Visierung und Abzug; im Vordergrund ist die Fingerposition am Abzugszüngel dargestellt.

Ein sauberer und wiederholbarer Schussablauf bei der Luftpistole Auflage ist für mich eine der wichtigsten Grundlagen, wenn es darum geht, gute Schüsse möglichst zuverlässig zu wiederholen.

Dabei verwende ich die Begriffe Sekundärablauf und Primärablauf. Diese Bezeichnungen sind meine eigene Einteilung und keine allgemein verbindliche Fachterminologie.

Der Sekundärablauf beginnt für mich deutlich früher als der eigentliche Schuss. Er umfasst die Vorbereitung und alles, was dafür sorgt, dass ich möglichst gleiche Voraussetzungen für den späteren Schuss schaffe.

Der Primärablauf beginnt mit dem eigentlichen Prozess eines einzelnen Schusses, führt bis zum Schuss und endet mit dem Absetzen der Waffe.

Beide zusammen ergeben für mich den gesamten Ablauf. Genau dieser gesamte Ablauf soll sich möglichst immer wieder gleich ausführen lassen.

Warum ein fester Ablauf so wichtig ist

Ein fester Schussablauf bei der Luftpistole Auflage hilft mir dabei, einen Schuss immer wieder möglichst gleich auszuführen.

Für mich geht es dabei ausdrücklich darum, einen einmal sauber erlernten Schussablauf möglichst genau zu wiederholen. Je öfter ich denselben Ablauf trainiere, desto mehr wird daraus eine automatisierte Routine.

Irgendwann muss ich nicht mehr über jeden einzelnen Schritt nachdenken. Ich weiß, was als Nächstes kommt, und mein Körper kennt den Ablauf.

Das schafft Sicherheit und vor allem Wiederholbarkeit.

Gleiche Voraussetzungen im Wettkampf

Das gilt für mich nicht nur beim Training, sondern gerade im Wettkampf.

Die äußeren Bedingungen kann ich nicht immer beeinflussen. Der Wettkampfort ist anders, die Anfahrt kann anders verlaufen, andere Menschen sind da und es entstehen Gespräche oder andere Ablenkungen.

Was ich beeinflussen kann, möchte ich deshalb möglichst gleich halten.

Ich möchte nicht während des Wettkampfs feststellen, dass ich beispielsweise mein Wasser im Rucksack vergessen habe und deshalb meine Stellung verlassen muss, um es zu holen. Noch ungünstiger wäre es, zu spät zum Wettkampf zu kommen und anschließend hektisch zum Stand zu müssen.

Für mich beginnt deshalb ein guter Ablauf beim Schießen bereits vor dem ersten Schuss.

Ich möchte rechtzeitig da sein, meine Ausrüstung vollständig dabeihaben und noch genügend Zeit haben, um zur Ruhe zu kommen. Je nachdem, was ich gerade brauche, kann ich dann noch eine Entspannungs- oder Aktivierungsübung machen.

Auch das gehört für mich zur mentalen Wettkampfvorbereitung.

Wenn ich weiß, dass ich alles dabeihabe, rechtzeitig dran bin und meine Vorbereitung in Ruhe durchführen konnte, schaffe ich damit möglichst gleiche Voraussetzungen.

Die äußeren Bedingungen kann ich nicht bestimmen. Die Voraussetzungen, die ich selbst beeinflussen kann, dagegen schon.

Der Schussablauf bei der Luftpistole Auflage „Primärablauf“

Grafik zeigt den Schussablauf beim Luftpistolen Auflage schießen in fünf Phasen: Vorbereitung, Auftakt, Arbeitsphase, Auslösen und Nachhalten.
Der Schussablauf Luftpistole Auflage in fünf Phasen: Vorbereitung, Auftakt, Arbeitsphase, Auslösen und Nachhalten.

Mit dem Greifen der Waffe beginnt für mich der eigentliche Prozess eines einzelnen Schusses. Alles davor gehört für mich zum Sekundärablauf. Dazu gehört beispielsweise auch das Einrichten der 0-Stellung. Das ist damit aber nicht weniger wichtig. Im Gegenteil: Der Sekundärablauf schafft die Voraussetzungen dafür, dass ich den eigentlichen Schuss anschließend unter möglichst gleichen Bedingungen beginnen kann.

Den Sekundärablauf habe ich in einem eigenen Artikel bereits ausführlich beschrieben. Dort gehe ich genauer darauf ein, wie ich meine Vorbereitung aufbaue und warum dieser Teil für mich eine so wichtige Grundlage für den späteren Schuss ist.

Lies dazu auch den Artikel zu den Set Cards. Sie können dich dabei unterstützen, deinen eigenen Sekundärablauf zusammenzustellen. Auf den kompakten Karten kannst du festhalten, was du für deine Vorbereitung benötigst und welche Punkte du vor dem Schießen beachten möchtest.

Nach dem greifen Waffe und einrichte der Handposition, wird die Waffe geladen.

Anschließend richte ich meinen Körper noch einmal auf und fühle bewusst durch, ob ich wirklich locker stehe. Dabei kontrolliere ich insbesondere meine Füße, Hüfte und Schultern. Sie sollen wieder in einer Linie übereinander stehen.

Das sind Dinge, die ich heute bei meiner eigenen Steyr LP10E, die ich bereits seit 2013 schieße, weitgehend automatisiert mache. Wir kennen uns inzwischen sozusagen in- und auswendig. Auch meinen angepassten Griff habe ich schon länger als die Waffe. Bei einer neuen Waffe oder einer Veränderung an der Ausrüstung muss ich solche Punkte dagegen wieder bewusster kontrollieren.

Genau das ist für mich ein wichtiger Bestandteil des Ablauftrainings: Zuerst muss man wissen, wie der eigene Ablauf aussehen soll. Danach wird er immer wieder wiederholt, bis die einzelnen Schritte zunehmend automatisiert ablaufen.

Waffe greifen, laden und auf den Auflagebock bringen

Nach dem Greifen der Waffe und dem Laden richte ich meinen Körper noch einmal auf und fühle bewusst durch, ob ich wirklich locker stehe. Füße, Hüfte und Schultern sollen wieder in einer Linie übereinander stehen.

Dann hebe ich die Waffe wie bei der frei geschossenen Luftpistole an und fahre über den Auflagebock. Dabei nehme ich die Visierung noch nicht auf. Mein Blick geht zunächst auf den Handrücken, während ich die Waffe auf den Auflagebock absenke.

Genau hier gibt es einen Unterschied zur freien Luftpistole: Beim Luftpistole-Auflageschießen kontrolliere ich zusätzlich noch einmal bewusst die Lage des Auflagekeils auf dem Bock.

Gelegentlich passiert es, dass ich etwas unterschiedlich auf der Auflageschiene aufsetze. Das sollte mit zunehmender Erfahrung und Training immer mehr in Fleisch und Blut übergehen. Zu weit hinten merke ich mit fortschreitendem Training immer besser durch die veränderte Balance der Waffe. Mein Auflagepunkt liegt bewusst sehr weit vorne am Auflagekeil. Deshalb ist es für mich gefährlicher, zu weit vorne aufzusetzen, weil die Waffe dann eher abrutschen kann.

Die Balance der Waffe verändert sich spürbar, wenn der Auflagepunkt nicht dort liegt, wo er sein soll. Dieses Gefühl wird mit mehr Training immer sicherer. Ich bin bei meiner eigenen Luftpistole Auflage momentan noch in einer Phase, in der ich vieles an der Balance ausprobiere und bewusst teste. Deshalb stellt sich bei mir auch noch nicht die gleiche Routine ein, die ich später mit einem festgelegten Ablauf erreichen möchte.

Ausrüstung und bewusste Veränderungen

Beim Ablauftraining bin ich momentan mit der Luftpistole Auflage, allerdings noch nicht an diesem Punkt. Ich probiere noch verschiedene Dinge aus und dadurch verändert sich mein Gefühl für die Waffe immer wieder.

Gerade habe ich zum Beispiel bewusst etwas Gewicht am Ende der Mündung nach hinten genommen. Aktuell habe ich dort ungefähr 120 bis 150 Gramm zusätzliches Gewicht. Ohne dieses Gewicht müsste ich die Mündung bewusst nach unten drücken, damit ich sie sauber in den Haltebereich bekomme.

Viel Gewicht an der Mündung hat für mich allerdings auch einen Nachteil: Wenn ich einen schlechten Tag habe und die Waffe nicht ausreichend kontrollieren kann, besteht die Gefahr, dass sie im Haltebereich stärker auf- und abpumpt. Deshalb habe ich das Gewicht etwas weiter nach hinten genommen.

Das verändert allerdings wiederum das Gefühl am Auflagebock. Durch die andere Balance muss ich jetzt auch wieder bewusster darauf achten, wo ich aufliege. Genau solche Veränderungen verhindern bei mir momentan noch, dass der Ablauf vollständig automatisiert ist.

Das wirkliche Ablauftraining sieht später anders aus: Man hat sich die Grundlagen erarbeitet und einen Ablauf festgelegt, wiederholt ihn immer wieder, bis er in Fleisch und Blut übergegangen ist. Danach nimmt man nur noch kleine Änderungen vor. So entwickeln sich mit der Zeit auch das Muskelgedächtnis und das Gefühl dafür, wenn etwas nicht zu dem gewohnten Ablauf passt.

Körpercheck und Position am Auflagebock

Wenn ich dann die Position am Auflagebock gefunden habe, mache ich noch einmal einen kurzen Körpercheck: Füße, Hüfte und Schultern stehen in einer Linie übereinander.

Danach drehe ich den Kopf in die Visierlinie hinein und mein Blick geht wieder auf den Handrücken. Die Waffe steht dabei knapp über dem Haltebereich.

Dann nehme ich den Kontakt zum Züngel auf. Bei meiner Steyr LP10E kenne ich meine Einstellung und meinen Griff seit vielen Jahren, deshalb läuft dieser Teil bei mir weitgehend automatisiert.

Wenn ich allerdings etwas verändere, zum Beispiel ein anderes Züngel montiere oder mit einer neuen Waffe beginne, ist genau jetzt der Zeitpunkt, bewusst zu fühlen: Liegt mein Finger richtig am Züngel? Ist es immer wieder derselbe Punkt?

Das kann man im Trockentraining ausprobieren und bewusst wahrnehmen. Wenn die Position nicht passt, sollte man genauer hinschauen – etwa auf die Einstellung des Züngels oder die Griffgeometrie. Das ist allerdings ein eigenes Thema und würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Wenn die Fingerposition im natürlichen Bereich liegt, kann man den Finger bewusst so auflegen, wie er liegen soll, sich das Gefühl dafür merken und dieses Gefühl in den Ablauf übertragen. Mit der Zeit entwickelt sich daraus ein Gefühl dafür, ob der Finger richtig liegt oder etwas daneben ist.

Züngel und dein persönliches Setup

Bei Züngeln gibt es für mich viele unterschiedliche Möglichkeiten. Ich mag Züngel mit einem markanten Feedback, zum Beispiel durch Kanten oder Furchen. Sie geben mir über das Gefühl eine bessere Orientierung, wo mein Finger liegt.

Als ich meine LP10E 2013 gekauft habe, gab es für mich allerdings nicht das passende Züngel. Durch meinen Griff lag mein Finger sehr weit hinten und die LP10E hatte gegenüber der mechanischen Variante einen Nachteil: Das Züngel ließ sich nicht weit genug nach hinten stellen.

Davor hatte ich immer das Steyr-Gewehrzüngel verwendet. Das war schmal und ließ sich vielseitig einstellen. Mit dem modernen, breiten Variozüngel kam ich dagegen nicht zurecht. Mir fehlten die Kanten als Orientierung und es war mir insgesamt zu breit, wodurch ich weniger Gefühl für den Druckpunkt hatte.

Deshalb blieb mir damals eigentlich nur, selbst etwas zu bauen. Aus einem Variozüngel habe ich oben und unten Material entfernt und es auch in der Breite verändert, sodass es in etwa dem Gewehrzüngel entsprach. Das hat sehr gut funktioniert und mit diesem Züngel habe ich meine besten Leistungen geschossen.

Beim Luftpistole Auflage schießen habe ich inzwischen allerdings das Gefühl, dass dieses Züngel nicht mehr ganz zu mir passt. Ich kann nicht genau sagen, woran es liegt. Vielleicht ist es auch nur eine Einbildung, weil ich momentan noch nicht die Ergebnisse erreiche, die ich mir vorstelle, und deshalb auf solche Dinge besonders feinfühlig reagiere.

Ich habe es deshalb inzwischen gegen das gerade Lottes-Züngel getauscht, das ich auch bei meiner LP5 nutze. Damit komme ich sehr gut zurecht. Es ist sehr konturenreich und durch die Rundung konzentriert sich der Druck stärker auf die Mitte. Dadurch kann ich besser fühlen, ob ich tatsächlich mittig drücke.

Das schräge Lottes-Züngel habe ich ebenfalls ausprobiert. Für mich ist es zu breit und die Schräge finde ich problematisch. Wenn man damit bewusst gerade zieht, kann es sicher funktionieren. Ich habe damit allerdings das Problem, dass ich sehr konzentriert darauf achten muss. Wenn diese Konzentration einmal fehlt, gefällt mir das Ergebnis nicht.

Grafik zeigt die richtige und zwei fehlerhafte Fingerpositionen am Abzugszüngel und deren Auswirkung auf die Trefferlage.
Die Fingerposition am Abzugszüngel beeinflusst, ob der Druck gerade nach hinten oder seitlich auf das Züngel wirkt.

Atmung, Visierung, Druckpunkt und Absenken in den Haltebereich

Jetzt beginnt für mich der schwierigste Teil des gesamten Ablaufs. Während mehrere Dinge gleichzeitig passieren, kann ich bewusst eigentlich nur den Fokus auf eine Sache legen. Deshalb muss man diesen Bereich im Training – und gerade das Trockentraining bietet sich hier an – immer wieder in einzelne Vorgänge zerlegen und die Konzentration gezielt auf die einzelnen Segmente legen und diese üben. Erst durch die Wiederholung und Automatisierung können diese einzelnen Elemente später unbewusst und gleichzeitig ablaufen.

Ich versuche beim Luftpistole Auflage schießen außerdem weiterhin, meine Doppelatmung aus dem freien Schießen umzusetzen. Über der Scheibe atme ich noch einmal ein und wieder aus. Anschließend atme ich erneut ein und während sich die Waffe den letzten kleinen Weg in den Haltebereich absenkt, atme ich noch ungefähr ein Drittel bis zur Hälfte dieser Einatmung wieder aus. Danach kommt der Atemstopp.

In diesem Bereich laufen mehrere Dinge gleichzeitig ab: die Atmung, das Aufnehmen der Visierung, das Aufnehmen des Druckpunkts und das Absenken der Waffe in den Haltebereich.

Danach wird es ruhiger. Jetzt konzentriere ich mich nur noch auf die Visierung und den Haltebereich. Das Erhöhen des Drucks auf den Abzug geht dann fast wie von selbst, wenn ich im Haltebereich stehe. Ein wenig achte ich aktuell noch darauf, keine seitlichen Kippmomente in die Waffe zu bringen. Wenn ich seitlich Druck auf die Waffe bringe, erhöht sich der Druck auf einer der Kufen – bei mir meistens links – und dadurch kann ein Drehpunkt entstehen. Das kann wiederum zu Rechts-Links-Schüssen führen.

rafik zeigt den Verlauf des Abzugsdrucks über die fünf Phasen des Schussablaufs – vom drucklosen Fingerkontakt bis zum Nachhalten.
Der Abzugsdruck wird nach dem Kontakt zum Züngel kontrolliert bis zum Druckpunkt und anschließend bis zum Brechen des Schusses erhöht. Beim Nachhalten bleibt der Druck zunächst erhalten.

Richtzeit für den Zielvorgang

Für den eigentlichen Ziel- und Haltevorgang gibt es im Schießsport ähnliche Empfehlungen. Ich selbst habe früher gelernt, dass der Schuss innerhalb von etwa 4 bis 6 Sekunden brechen sollte. Auch die US Army Marksmanship Unit nennt in ihrem Pistol Training Guide etwa 3 bis 6 Sekunden, während der DSB in seinem Ausbildungsmaterial von etwa 3 bis 5 Sekunden spricht.

Die unterschiedlichen, aber doch sehr ähnlichen Angaben bestätigen für mich vor allem eines: Sie geben eine klare Richtung vor, wo es hingehen sollte – und auch, wo es nicht hingehen sollte. Es geht dabei nicht darum, mit einer Stoppuhr exakt eine bestimmte Zeit einzuhalten. Jeder Schütze muss für sich selbst herausfinden, wann das eigene Auge müde wird, die Konzentration nachlässt oder die Körperspannung nicht mehr sauber gehalten werden kann.

Wenn ich merke, dass dieser Punkt erreicht ist und der Schuss nicht sauber kommt, setze ich ab und beginne den Ablauf neu. 30 Sekunden im Haltebereich zu verbringen, nur weil die Waffe auf dem Auflagebock weiter aufliegt, kann deshalb keine sinnvolle Lösung sein. Auch wenn die Waffe scheinbar ruhig steht, können Konzentration, Augen und Körperspannung längst nachlassen.

Die genannten Zeiten sind für mich deshalb keine starren Vorgaben, sondern eine Orientierung dafür, wann ich einen Schuss besser abbreche, anstatt ihn zu erzwingen.

Nachhalten

Nachhalten ist ein wichtiger Bestandteil eines Schussablaufs auch bei der Luftpistole Auflage. Nach dem Brechen des Schusses ist der Schuss für den Schützen noch nicht abgeschlossen. Die Konzentration bleibt auf der Visierung und der Druck auf dem Abzug bestehen, bis das Nachhalten beendet ist.

Wer gedanklich zu früh mit dem Schuss abgeschlossen hat und das Nachhalten vernachlässigt, kann den Schuss dadurch unbewusst beeinflussen. Ein zu frühes Entlasten des Abzugs oder eine Bewegung der Waffe kann zu einem Fehlschuss führen.

Deshalb bleibt der Druck auf dem Abzug auch nach dem Brechen des Schusses bestehen. Erst wenn das Nachhalten abgeschlossen ist, wird der Abzug entlastet und der Schussablauf beendet.

Bei meiner Steyr LP10E gibt es dabei einen technischen Unterschied zur mechanischen Variante: Die elektronische LP10E hat keinen mechanischen Triggerstopp. An meinem Ablauf ändert das für mich aber nichts. Ich halte den Druck auf dem Abzug trotzdem weiter aufrecht und ziehe weiter, während ich nachhalte, bevor ich den Abzug wieder entlaste und die Waffe vom Auflagebock nehme.

Absetzen statt Durchziehen

Wenn während des Ablaufs etwas nicht passt oder sich das Gefühl nicht richtig anfühlt, setze ich die Waffe konsequent ab. Dabei bedeutet Absetzen für mich wirklich: Die Waffe kommt vom Auflagebock herunter, der Primärablauf wird beendet und anschließend beginne ich wieder von vorne.

Gerade beim Luftpistole Auflage schießen besteht die Gefahr, dass man die Waffe relativ lange auf dem Auflagebock stehen lässt, weil man das Gewicht der Waffe nicht mehr selbst halten muss. Dadurch kann die Körperspannung nachlassen und sich die Körperposition verändern. Die Stellung und die Körperspannung werden dann möglicherweise nicht mehr so sauber aufgebaut und ausgerichtet wie zu Beginn des Ablaufs.

Gleichzeitig kann es passieren, dass man mit dem Auge nur noch irgendwie auf der Visierung bleibt. Dadurch ermüdet das Auge zunehmend. Man denkt vielleicht: Die Waffe steht doch eigentlich ruhig, ich kann den Schuss noch machen.

Genau das möchte ich vermeiden. Mein Primärablauf beginnt immer mit dem Anheben der Waffe. Wenn ich diesen Ablauf unterbreche und die Waffe stattdessen weiter auf dem Auflagebock stehen lasse, passt das nicht mehr zu meiner Automatisierung.

Deshalb gilt für mich: Wenn etwas im Ablauf nicht passt, setze ich ab.

Was tun, wenn ich absetzen muss?

Wenn ich einen Schuss absetzen muss, springe ich nicht gleich wieder in den nächsten Ablauf. Ich mache zuerst eine kurze Pause von etwa 10 bis 30 Sekunden, lasse kurz locker, bevor ich neu mit meinem Primärablauf beginne.

In dieser Pause atme ich ein paar Mal bewusst tief ein und wieder aus. Wenn ich im Wettkampf sehr aufgeregt bin, kann ich dabei auch bewusst mit einer verlängerten Ausatmung arbeiten. Das hilft mir, wieder etwas Ruhe in den Körper zu bekommen. Auf verschiedene Atemübungen möchte ich hier nicht näher eingehen – das ist für mich ein eigenes Thema im Mentaltraining.

Auch meine Hand lasse ich kurz locker. Grundsätzlich bleibe ich dabei in meiner 0-Stellung. Ich würde sie nur in Ausnahmefällen verlassen, denn danach müsste ich meine 0-Stellung wieder neu einrichten.

Wichtig ist dabei die Sicherheit: Die Luftpistole ist zu diesem Zeitpunkt noch geladen. Wenn ich sie am Tisch ablege, öffne ich den Verschluss. Verlasse ich den Schützenstand, muss die Safety Flag beziehungsweise Sicherheitsschnur eingesetzt werden. Die aktuellen Vorgaben zur Sicherheitsschnur findest du im ISSF Rule-Book Seite 191 6.2.2.2.
Wichtig ist dabei außerdem, dass du immer die Sicherheitsbestimmungen deines Verbandes und des jeweiligen Wettkampfveranstalters prüfst. Diese können zusätzliche oder strengere Vorgaben enthalten als die ISSF.

Erst wenn ich wieder ruhig bin und mich bereit fühle, beginne ich meinen Ablauf erneut.

Ablauftraining – nicht nur für die Luftpistole Auflage

Das eigentliche Ablauftraining habe ich schon immer sehr viel im Trockentraining gemacht. Die groben Bewegungsabläufe sind dabei natürlich immer Teil des Trainings. Trotzdem kann man den Fokus bei den einzelnen Trainingseinheiten ganz bewusst auf einen bestimmten Bereich legen.

Den Abzug kann man zum Beispiel im Trockentraining sehr gut isoliert üben. Dabei mache ich immer wieder den gesamten Ablauf durch und konzentriere mich bewusst auf den Abzug. Ein anderes Mal kann der Fokus auf dem bewussten Nachhalten liegen. Das trainiere ich im Training teilweise sogar etwas länger, als ich es später im Wettkampf mache. Dadurch möchte ich erreichen, dass das Nachhalten im Wettkampf ausreichend lange erfolgt.

Am Ende macht es für mich vor allem die Wiederholung. Je häufiger ein sauberer Ablauf wiederholt wird, desto mehr automatisieren sich die einzelnen Elemente.

Früher haben wir im Training viel auf die weiße Scheibe geschossen, um den Ablauf und besonders den Abzug zu trainieren. Heute würde ich vieles davon einfach zu Hause im Trockentraining machen. Das ist einfach, kostet nichts und ist meiner Meinung nach unglaublich effizient.

Mehr Pepp und smarte Möglichkeiten für das Trockentraining die man auch mit Luftpistole Auflage nutzen kann

Man kann das Trockentraining heute aber auch mit einfachen Systemen etwas interessanter gestalten und dabei sogar die Waffenbewegung visualisieren. Ich nutze dafür mein Mantis X10 und auf geringere Distanz reduzierte Luftpistolenscheiben. Auch wenn es kein SCATT-System ist, kann man aus der Bewegungsaufzeichnung doch einige Dinge herauslesen.

In der Mantis-X10-App ist außerdem die Laser Academy integriert. Diese Funktion nutze ich bereits regelmäßig in Kombination mit meinem Mantis X10 oder dem Blackbeard für meine Großkaliberpistole und mein sportliches Selbstladegewehr. Für das Training benötigt man dabei jeweils einen passenden Laser. Bei meiner Glock nutze ich dafür das SureStrike-Magazin mit Laserpatrone, beim Blackbeard für das AR15 ist der Laser integriert.

Wer sich näher über das Mantis, die Laser Academy und passende Lasersysteme informieren möchte, findet weitere Informationen und die entsprechenden Produkte bei Mantis.

Für die Luftpistole finde ich diese Möglichkeit ebenfalls interessant. Mantis bietet dafür eine eigene Ringscheibe an, allerdings ist diese aus meiner Sicht relativ blass. Ob und wie sich die Laser Academy sinnvoll mit einer Luftpistole einsetzen lässt, habe ich selbst bisher noch nicht ausprobiert. Ich werde deshalb mit meinem Kontakt bei Mantis darüber sprechen, welche Möglichkeiten es dafür gibt, und anschließend gesondert darüber berichten.

Mich würde interessieren, ob das Thema Trockentraining zu Hause mit dem Mantis und Lasersystemen für euch interessant ist. Wenn daran Interesse besteht, kann ich daraus einen eigenen Beitrag machen und meine Erfahrungen mit verschiedenen Möglichkeiten und deren praktischem Nutzen im Training zeigen.
Wenn ihr wollt, könnt ihr mir gerne eure Meinung dazu über meine Kontaktseite schreiben.

Technik kann das Trockentraining interessanter machen und zusätzliche Rückmeldungen liefern.

Vom bewussten Ablauf zur Automatisierung

Ein sauberer Schussablauf entsteht für mich nicht dadurch, dass man möglichst viele Dinge individuell verändert. Die grundlegenden Elemente sind durch die bewährte Schießtechnik vorgegeben. Ziel des Trainings ist es deshalb, diesen Ablauf zunächst bewusst zu erlernen und anschließend so oft zu wiederholen, dass immer mehr davon automatisiert abläuft.

Bei der Luftpistole Auflage bin ich im Gegensatz zur Luftpistole ohne Auflage noch nicht an diesem Punkt. Ich muss momentan noch bewusst darauf achten, ob die Waffe richtig auf dem Auflagebock aufsetzt, ob die Balance passt und ob ich keine unerwünschten seitlichen Kippmomente in die Waffe bringe.

Mit zunehmender Erfahrung und Wiederholung sollen diese Dinge aus meinem bewussten Fokus verschwinden. Sie sollen dann selbstverständlich und automatisch ablaufen, sodass ich mich wieder stärker auf die entscheidenden Elemente des Schusses konzentrieren kann. Das ist für mich das eigentliche Ziel des Ablauftrainings: Nicht ständig einen neuen Ablauf zu suchen, sondern den Ablauf so lange zu trainieren, bis er zuverlässig und möglichst automatisiert funktioniert.


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