Schießsport Routine: Warum gleiche Abläufe besser treffen

Eine gute Schießsport Routine beginnt lange vor dem ersten Schuss. Viele Schützen glauben, Konzentration entsteht erst in dem Moment, in dem der eigentliche Schuss ausgeführt wird. In der Praxis entscheidet sich stabile Leistung aber oft schon deutlich früher.

Vorbereitung, Material, Aufbau am Stand, feste Routinen oder kleine unnötige Ablenkungen beeinflussen die Konzentration häufig stärker, als vielen bewusst ist. Wer ständig suchen, überlegen oder improvisieren muss, verbraucht Konzentration lange bevor der erste Schuss fällt.

Genau dieser Bereich wird im Schießsport oft unterschätzt. Während viele fast ausschließlich an der eigentlichen Schussausführung arbeiten, beschäftigen sie sich kaum mit allem, was davor passiert.

Für diesen Bereich nutze ich den Begriff Sekundärablauf. Gemeint ist damit alles, was den eigentlichen Schuss vorbereitet, stabilisiert oder unnötig belastet. Der Primärablauf beschreibt dagegen die direkte Schussausführung selbst.

Der Begriff Sekundärablauf ist dabei keine offizielle Bezeichnung aus der Schießsportliteratur. Ich verwende ihn, weil er für mich einen Bereich beschreibt, der zwar ständig vorhanden ist, über den aber vergleichsweise selten gesprochen wird.

Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand ambitionierter Wettkampfschütze oder reiner Hobbyschütze ist. Wer regelmäßig trainiert und seine Leistung verbessern möchte, profitiert von klaren Routinen und wiederholbaren Abläufen. Nicht weil dadurch automatisch bessere Schüsse entstehen, sondern weil weniger Konzentration für alles andere verloren geht.

Genau deshalb ist eine gute Schießsport Routine nicht nur für Wettkampfschützen interessant. Wer seine Abläufe strukturiert und wiederholbar gestaltet, schafft eine Grundlage, auf die er im Training und Wettkampf jederzeit zurückgreifen kann.

Deshalb lohnt es sich, nicht nur den eigentlichen Schuss zu betrachten, sondern auch alles, was davor passiert.

Struktur spart mentale Energie

Mentale Energie ist nicht unbegrenzt. Genau das unterschätzen viele Schützen. Jeder unnötige Gedanke, jede Suche nach Ausrüstung oder jede kleine Improvisation kostet Konzentration.

Das beginnt oft schon lange vor dem ersten Schuss. Wann fahre ich los? Habe ich alles eingepackt? Muss ich am Stand noch etwas einstellen? Liegt die richtige Munition dabei? Wo ist der Gehörschutz? Muss ich noch etwas zwischen verschiedenen Taschen umpacken?

Für sich genommen wirken diese Dinge klein. In Summe erzeugen sie aber genau die Unruhe, die später Konzentration kostet.

Gerade Schützen, die mehrere Disziplinen schießen, kennen das Problem. Unterschiedliche Waffen, andere Einstellungen, anderes Material, andere Abläufe. Dadurch steigt die Komplexität schnell an.

Mit der Zeit habe ich deshalb versucht, möglichst viele Dinge zu vereinfachen und zu standardisieren. Nicht weil es perfekt aussehen soll, sondern weil jede unnötige Entscheidung Konzentration kostet.

Die Schießsport Routine beginnt zu Hause

Die meisten denken beim Schießsport zuerst an den Stand selbst. In Wirklichkeit beginnt ein guter Ablauf aber oft schon deutlich früher.

Gerade unter der Woche merkt man schnell, wie viel Einfluss der Alltag plötzlich auf Training oder Wettkampf haben kann. Wie viel Zeit habe ich zwischen Arbeit und Abfahrt? Muss ich zuhause erst noch alles zusammensuchen? Muss ich noch essen? Muss ich noch packen? Beginnt dort bereits der erste Stress?

Genau solche Situationen habe ich irgendwann versucht zu entschärfen. Wenn die Zeit knapp war, wurde möglichst viel bereits am Vortag vorbereitet. Taschen packen, Kleidung herrichten, Kleinigkeiten zusammensuchen oder Dinge bereits ins Auto legen. Natürlich nur das, was rechtlich und sicherheitstechnisch sinnvoll möglich ist.

Der Unterschied war oft größer, als man zunächst denkt. Wenn zuhause alles ruhig vorbereitet werden kann, entsteht deutlich weniger Hektik vor der Abfahrt. Man kann in Ruhe essen, alles nochmal kontrollieren und danach entspannt losfahren, statt kurz vor knapp noch irgendetwas suchen zu müssen.

Dazu kommt die eigentliche Anreise. Wie lange brauche ich wirklich? Wie ist das Wetter? Gibt es Verkehr? Muss ich einen Parkplatz suchen? Gerade bei Wettkämpfen plane ich heute lieber etwas mehr Puffer ein als zu wenig. Nicht weil ich übertrieben früh dort sein möchte, sondern weil unnötiger Zeitdruck sofort Unruhe erzeugt.

Wenn man dagegen ruhig ankommt, bleibt Zeit, erstmal wirklich am Schießstand anzukommen. Vielleicht noch kurz auf die Toilette zu gehen, das Material ohne Stress aufzubauen oder mental langsam in den Wettkampf hineinzufinden.

Und genau dort merkt man oft schon, wie unterschiedlich Schützen funktionieren. Manche brauchen vor dem Wettkampf Gespräche und Gesellschaft, um ruhig zu bleiben. Andere brauchen eher Ruhe und etwas Distanz.

Wichtig ist nur, mit der Zeit herauszufinden, was einem selbst wirklich hilft und was eher zusätzliche Unruhe erzeugt.

Ordnung am Schießstand beeinflusst die Konzentration

Mir war eigentlich schon relativ früh klar, wie stark Ordnung am Schießstand die Konzentration beeinflussen kann. Das kam vor allem daher, dass ich schon am Anfang viele Weltklasseschützen beobachtet habe. Und was mir dabei immer wieder aufgefallen ist: Einige der besten Schützen waren oft extrem puristisch unterwegs.

Keine riesigen Materialschlachten. Keine überladenen Koffer. Keine zehn verschiedenen Taschen oder unzählige Gegenstände am Stand. Teilweise standen dort Leute mit relativ einfachem Equipment und haben trotzdem absolute Top-Ergebnisse geschossen.

Das hat mich damals durchaus überrascht. Gerade als junger Schütze glaubt man schnell, dass bessere Ergebnisse vor allem durch besseres Material entstehen. Die Realität sah oft anders aus.

Natürlich hatten viele dieser Schützen hochwertiges Equipment. Am Stand lag aber meist nur das, was sie für den aktuellen Wettkampf tatsächlich gebraucht haben. Alles andere spielte in diesem Moment keine Rolle.

Was ich von Weltklasseschützen gelernt habe

Besonders beeindruckt hat mich dabei, wie wenig manche Weltklasseschützen teilweise benötigt haben. Ich habe Schützen erlebt, die weder spezielle Schießschuhe noch eine Schießbrille verwendet haben. Stattdessen standen sie mit einfachen Turnschuhen am Stand und hatten für das nicht zielende Auge lediglich ein Stück Pappe als Abdeckung befestigt. Trotzdem wurden mit solchen Setups Weltrekorde geschossen.

Genau solche Beobachtungen haben meine Sicht auf das Thema verändert. Gute Ergebnisse entstehen nicht automatisch durch mehr Ausrüstung oder einen größeren Koffer. Entscheidend ist, dass das vorhandene Material funktioniert und dass man sich auf das konzentrieren kann, was wirklich wichtig ist.

Deshalb versuche ich heute nur das vorne liegen zu haben, was ich für diese Disziplin wirklich brauche. Das Basisequipment, die notwendigen Unterlagen oder vielleicht etwas zu trinken. Mehr eigentlich nicht.

Gerade bei längeren Trainings oder Wettkämpfen sammelt sich sonst schnell alles Mögliche am Stand an. Werkzeug, Schlüssel, Handy, Notizen oder Dinge, die man eigentlich überhaupt nicht braucht. Das Problem ist nicht das einzelne Teil. Das Problem ist die Summe aus kleinen Ablenkungen, die ständig Aufmerksamkeit ziehen.

Wie groß der Unterschied zwischen einem aufgeräumten und einem überladenen Schießstand sein kann, zeigt das folgende Beispiel.

Vergleich zwischen einem aufgeräumten und einem unordentlichen Schießstand mit unterschiedlicher Ausrüstung und Ablenkungen.

Ein aufgeräumter Schießstand reduziert Ablenkungen und erleichtert den Fokus auf das Wesentliche. Unnötige Gegenstände erhöhen dagegen die mentale Belastung und schaffen zusätzliche Störfaktoren.

Und meiner Meinung nach gehört dazu auch das Handy. Im Wettkampf hat das vorne am Stand nichts verloren. Beim Training kann es natürlich sinnvoll sein, etwa für einen Timer, Trainingsnotizen oder Systeme wie Mantis. Im Wettkampf ist das für mich aber reine Ablenkung.

Selbst wenn man glaubt, dass man es ignoriert, zieht es Aufmerksamkeit. Genau solche kleinen Dinge summieren sich im Kopf oft deutlich stärker, als man zunächst denkt.

Diese Beobachtung ist übrigens nicht auf den Schießsport beschränkt. Auch in anderen Bereichen wird immer wieder beschrieben, dass Unordnung Konzentration kostet und zusätzliche mentale Belastung erzeugt. Meine Erfahrungen am Schießstand decken sich erstaunlich gut mit diesen Erkenntnissen. Ähnliche Zusammenhänge werden beispielsweise auch in Artikeln über Ordnung, Routinen und mentale Gesundheit beschrieben.

https://paw.princeton.edu/article/psychology-your-attention-please

Warum eine gute Schießsport Routine hilft

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass nicht jede Kleinigkeit perfekt sein muss. Viel wichtiger ist oft, dass möglichst viele Dinge immer gleich ablaufen.

Natürlich gibt es Bereiche, in denen man ständig versucht besser zu werden. Die eigentliche Schussausführung gehört ganz klar dazu. Dort arbeitet man permanent an Technik, Stabilität und Präzision.

Viele andere Dinge müssen dagegen nicht perfekt sein. Sie sollten vor allem konstant sein.

Der Mensch funktioniert erstaunlich stark über Gewohnheiten. Dinge, die regelmäßig in derselben Reihenfolge passieren, benötigen irgendwann deutlich weniger Aufmerksamkeit. Genau das macht man sich im Schießsport zunutze.

Wenn der Aufbau immer ähnlich abläuft, die Ausrüstung ihren festen Platz hat und bestimmte Abläufe zur Gewohnheit werden, muss der Kopf deutlich weniger arbeiten. Man sucht weniger, denkt weniger nach und trifft weniger unnötige Entscheidungen.

Das klingt zunächst unspektakulär. Im Wettkampf macht es aber oft einen großen Unterschied.

Unter Druck greifen wir meistens nicht auf das zurück, was wir theoretisch wissen. Wir greifen auf das zurück, was wir häufig genug gemacht haben. Deshalb versuche ich, viele Dinge im Training genauso zu machen wie später im Wettkampf.

Nicht weil jede Kleinigkeit entscheidend wäre. Sondern weil daraus mit der Zeit Automatismen entstehen.

Je mehr Dinge automatisch funktionieren, desto mehr Aufmerksamkeit bleibt für das übrig, was wirklich wichtig ist.

Deshalb sehe ich den Sekundärablauf nicht als etwas, das nur im Wettkampf relevant ist. Er wird im Training aufgebaut. Dort entstehen die Gewohnheiten und Routinen, die später unter Druck funktionieren sollen.

Wenn man im Training jedes Mal anders arbeitet, ständig improvisiert oder Abläufe laufend verändert, wird es schwer, daraus einen stabilen Automatismus zu entwickeln. Wer dagegen möglichst viele Dinge konsequent gleich macht, schafft sich eine verlässliche Grundlage, auf die er später zurückgreifen kann.

Set Cards: Wissen aus dem Kopf auf Papier

Ein weiterer Baustein meines Sekundärablaufs sind sogenannte Set Cards. Den Begriff verwende ich bewusst selbst, weil ich bisher keine bestehende Bezeichnung gefunden habe, die genau das beschreibt, was ich meine.

Die Grundidee dahinter ist einfach: Alles, was ich für eine bestimmte Disziplin regelmäßig brauche, soll jederzeit übersichtlich verfügbar sein.

Gerade wenn man mehrere Disziplinen schießt, sammelt sich mit der Zeit erstaunlich viel Wissen an. Unterschiedliche Waffen, andere Visiereinstellungen, verschiedene Wettkampfzeiten, abweichende Abläufe oder spezielles Material. Vieles davon weiß man grundsätzlich, muss es aber nicht jedes Mal erneut zusammensuchen oder durchdenken.

Hier helfen mir Set Cards.

Im einfachsten Fall ist das eine kompakte Übersicht für eine bestimmte Disziplin. Darauf stehen alle Informationen, die ich regelmäßig brauche und die mir helfen, ohne unnötiges Nachdenken in meinen Ablauf zu kommen.

Was auf einer Set Card stehen kann

  • Wettkampfzeit und Schusszahl
  • benötigtes Material
  • Reihenfolge beim Aufbau
  • Visiereinstellungen
  • Klickwert der Visierung
  • verwendete Munition
  • Besonderheiten der Disziplin
  • persönliche Erinnerungen oder Kontrollpunkte

Warum Set Cards funktionieren

Der eigentliche Nutzen einer Set Card besteht nicht darin, Wissen zu ersetzen. Mit der Zeit kennt man die meisten Inhalte ohnehin auswendig. Durch Training, Wettkämpfe und Routine werden viele Dinge selbstverständlich.

Das Ziel einer Set Card ist vielmehr, Sicherheit zu schaffen. Sie bleibt als Anker im Hintergrund bestehen und gibt die Möglichkeit, Dinge jederzeit kurz zu überprüfen.

Gerade bei mehreren Disziplinen oder längeren Wettkampfpausen habe ich das immer als sehr angenehm empfunden. Man muss nicht überlegen, ob die Information noch richtig im Kopf ist. Man kann sie einfach kontrollieren und anschließend mit einem guten Gefühl weitermachen.

Ein wenig erinnert mich das an einen Spickzettel aus der Schulzeit. Oft wusste man die Inhalte ohnehin. Allein die Tatsache, dass man sie zur Sicherheit dabeihatte, hat aber bereits ein gutes Gefühl vermittelt.

Der eigentliche Wert einer Set Card liegt deshalb für mich nicht im Nachschlagen, sondern in der Ruhe, die sie schafft.

Genau deshalb schaue ich mir meine Set Cards vor einem Training oder Wettkampf oft noch einmal kurz an. Nicht weil ich die Inhalte vergessen hätte, sondern weil ich sicherstellen möchte, dass alles vollständig ist und ich nichts übersehen habe.

Gerade nach längeren Trainingspausen oder wenn man zwischen mehreren Disziplinen wechselt, schafft das eine zusätzliche Sicherheit. Ein kurzer Blick genügt oft, um den eigenen Ablauf wieder präsent zu haben.

Mit der Zeit werden viele dieser Informationen ohnehin selbstverständlich. Trotzdem empfinde ich es als angenehm, einen festen Bezugspunkt zu haben, auf den ich jederzeit zurückgreifen kann. Genau das macht für mich den Unterschied zwischen „ich glaube, ich habe alles im Kopf“ und „ich weiß, dass alles vorbereitet ist“.

Mit der Zeit sind daraus bei mir feste Arbeitsunterlagen geworden, die ich vor Training oder Wettkampf kurz durchgehen kann. Nicht weil ich die Inhalte nicht kenne, sondern weil ich möglichst wenig dem Zufall überlassen möchte.

Set Cards im Alltag

Wie alltäglich solche Situationen sind, wurde mir erst vor kurzem wieder bewusst. Bei einem Training hatte ein Kollege seine Munition vergessen. Natürlich wurde er dafür ein wenig aufgezogen, nachdem er sich Munition ausleihen musste.

Interessant war aber, was danach passiert ist. Plötzlich wurden Geschichten erzählt. Vergessene Magazine, fehlende Ausrüstung, zuhause liegengelassene Kleinteile oder andere Dinge, die man eigentlich dabeihaben sollte.

Und genau dort musste ich schmunzeln. Im Grunde war das eine perfekte Bestätigung für alles, worüber ich in diesem Artikel schreibe.

Solche Situationen kommen immer wieder vor. Nicht weil jemand unfähig wäre, sondern weil Menschen Dinge vergessen. Genau deshalb helfen feste Routinen, Checklisten und Set Cards. Sie sollen nicht das Denken ersetzen. Sie sollen verhindern, dass man sich mit Problemen beschäftigen muss, die eigentlich vermeidbar wären.

Auf das Thema Set Cards werde ich in einem eigenen Artikel noch deutlich genauer eingehen. Dort zeige ich auch konkrete Beispiele, wie solche Karten aufgebaut sein können und welche Informationen sich in der Praxis bewährt haben.

Mehrere Disziplinen bedeuten mehr Komplexität

Besonders deutlich wurde mir die Bedeutung eines funktionierenden Sekundärablaufs, als mehrere Disziplinen gleichzeitig dazugekommen sind.

Mit jeder zusätzlichen Disziplin wächst nicht nur die Anzahl der Wettkämpfe oder Trainingsmöglichkeiten. Es kommen auch neue Waffen, anderes Material, unterschiedliche Einstellungen und teilweise völlig andere Abläufe hinzu.

Plötzlich reicht nicht mehr eine Tasche, ein Ablauf oder eine Konfiguration. Stattdessen verwaltet man mehrere Systeme gleichzeitig.

Genau dort beginnt häufig das Chaos.

Die Schießbrille liegt in der falschen Tasche. Der Gehörschutz wurde nach dem letzten Training nicht zurückgelegt. Ein Werkzeug befindet sich noch bei einer anderen Waffe. Oder man muss plötzlich überlegen, welche Einstellungen für die aktuelle Disziplin eigentlich richtig sind.

Keine dieser Aufgaben ist für sich genommen besonders schwierig. Das Problem entsteht durch die Summe vieler kleiner Entscheidungen.

Warum Standardisierung hilft

Mit der Zeit habe ich deshalb versucht, möglichst viele Dinge zu standardisieren. Nicht weil Ordnung Selbstzweck wäre, sondern weil jede unnötige Entscheidung Aufmerksamkeit kostet.

Wenn möglich, habe ich bestimmte Dinge doppelt angeschafft. Gerade günstigere Ausrüstungsteile. Nicht weil ich sie ständig brauche, sondern weil ich nicht jedes Mal überlegen möchte, in welcher Tasche sie sich gerade befinden. Ein zweiter Kugelschreiber, ein weiteres Werkzeug oder ähnliche Kleinigkeiten kosten oft deutlich weniger als die ständige Sucherei und das Umräumen zwischen verschiedenen Disziplinen.

Natürlich funktioniert das nicht bei allem. Wer dieselbe Schießbrille oder denselben aktiven Gehörschutz in mehreren Disziplinen verwendet, wird bestimmte Dinge weiterhin umpacken müssen.

Trotzdem versuche ich den Aufwand so gering wie möglich zu halten.

Im Idealfall greife ich zur Tasche und weiß: Die sieben Zwetschken sind beieinander. Also alles ist dort, wo es hingehört, und ich muss nicht erst anfangen zu suchen.

Genau das ist für mich ein gutes Beispiel dafür, was ein funktionierender Sekundärablauf leisten soll. Er macht Dinge nicht komplizierter, sondern einfacher. Er reduziert Entscheidungen, schafft Klarheit und sorgt dafür, dass mehr Aufmerksamkeit für das eigentliche Schießen übrig bleibt.

Der Sekundärablauf entsteht im Training

Viele Schützen beschäftigen sich mit ihren Abläufen erst dann intensiv, wenn ein wichtiger Wettkampf bevorsteht. Meiner Erfahrung nach ist das aber zu spät.

Ein funktionierender Sekundärablauf entsteht nicht wenige Tage vor einem Wettkampf. Er entsteht über Monate und Jahre im Training.

Genau dort entwickelt man Routinen. Dort merkt man, welche Abläufe funktionieren, welche Dinge unnötig Aufmerksamkeit kosten und wo sich Chaos einschleicht.

Deshalb versuche ich, möglichst viele Dinge im Training bereits so zu machen, wie ich sie später auch im Wettkampf machen möchte. Nicht weil jede Kleinigkeit entscheidend wäre, sondern weil sich auf diese Weise Automatismen entwickeln.

Unter Druck greifen wir meistens nicht auf das zurück, was wir theoretisch wissen. Wir greifen auf das zurück, was wir häufig genug gemacht haben.

Je häufiger bestimmte Abläufe identisch stattfinden, desto weniger Aufmerksamkeit benötigen sie später. Genau dadurch entsteht die mentale Entlastung, die ein guter Sekundärablauf schaffen soll.

Wer dagegen jedes Training anders organisiert, ständig improvisiert oder Abläufe laufend verändert, macht es sich deutlich schwerer, stabile Routinen aufzubauen.

Der Wettkampf ist deshalb nicht der Ort, an dem der Sekundärablauf entsteht. Er zeigt lediglich, wie gut er im Training vorbereitet wurde.

Fazit: Der Schuss beginnt nicht erst beim Abziehen

Der eigentliche Schuss steht im Mittelpunkt unseres Sports. Genau deshalb investieren wir so viel Zeit in Technik, Training und die kontinuierliche Verbesserung unserer Fähigkeiten.

Mit der Zeit habe ich aber festgestellt, dass stabile Leistungen oft schon deutlich früher vorbereitet werden.

Stress bei der Anreise. Unnötiges Chaos am Schießstand. Fehlende Routinen. Ständiges Improvisieren. Kleine Entscheidungen, die für sich genommen unbedeutend erscheinen, in Summe aber Konzentration und Aufmerksamkeit kosten.

Genau dort setzt für mich der Sekundärablauf an.

Eine funktionierende Schießsport Routine sorgt nicht automatisch für bessere Ergebnisse. Sie ersetzt keine Technik, kein Training und keine Erfahrung. Sie schafft aber die Voraussetzungen dafür, dass die vorhandenen Fähigkeiten möglichst konstant abgerufen werden können.

Je weniger Aufmerksamkeit für Organisation, Material oder Abläufe benötigt wird, desto mehr bleibt für das eigentliche Schießen übrig.

Und genau das ist letztlich das Ziel.

Ein guter Sekundärablauf entlastet den Kopf, schafft Ruhe und reduziert unnötige Störfaktoren. Er entsteht nicht erst im Wettkampf, sondern wird über lange Zeit im Training aufgebaut.

Der eigentliche Schuss bleibt natürlich weiterhin das Herzstück jeder Disziplin. Genau diesem Bereich, also dem Primärablauf und der eigentlichen Schussausführung, werde ich mich deshalb in einem späteren Artikel noch ausführlicher widmen.

Denn wenn der Sekundärablauf die Grundlage bildet, entscheidet der Primärablauf darüber, was am Ende tatsächlich auf der Scheibe ankommt.

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1 Kommentar zu „Schießsport Routine: Warum gleiche Abläufe besser treffen“

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